Geschichte

Die Geschichte von Kenkävero

Die Pfarrei Kenkävero, vormals auch bekannt unter dem Namen „Großpfarrei“, blickt auf 550 Jahre bewegte Geschichte zurück. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde als erste Behausung für die Pfarrer bekanntlich eine einfache Rauchstube auf einer Insel errichtet, die der Pfarrer der Kirchgemeinde Savilahti – teils aus eigenen, teils aus Gemeindemitteln – erworben hatte. Die Insel war bis zum 19. Jahrhundert mit dem Festland nur durch eine Brücke verbunden.

Die Pfarrei Kenkävero – ein stummer Zeuge der ereignisreichen Vergangenheit der Region sowie von Ost und West – hat sowohl das Blutbad des 1596-97 geführten Bauernaufstands (sog. Keulenkrieg) und die Zerstörung durch die russischen Truppen erleben müssen.

Den finnischen Pfarreien wird bei der Kulturgeschichte des Landes eine große Bedeutung beigemessen. Von jeher zählten sie zu den aktiven Zentren des Gemeindelebens, wo die Geistlichen und die Gemeindemitglieder stets miteinander in enger Verbindung standen. Die Priester setzten sich mit wichtigen nationalen und gesellschaftlichen Phänomenen auseinander und verkündeten ihre Botschaft dem Volk von der Kanzel. Die Pfarrhäuser galten auch als Vorbild für Wohnkultur, Bekleidung und Entwicklung der Landwirtschaft. Die Bibliotheken der Pfarrämter waren gut bestückt: Dort standen u. a. Handbücher über Medizin und Agrikultur, aus denen die Seelsorger bei Hochzeiten, Beerdigungen, Taufen und weiteren gesellschaftlichen Anlässen gerne den Gemeindemitgliedern Rat anboten.

Auch die Pfarrei Kenkävero war ein Wegbereiter des geistigen und materiellen Wohlstands in der Region sowie ein Zentrum des gesellschaftlichen Lebens, wo die Kultur eine wichtige Rolle spielte. Frisches Gedankengut und neue Strömungen wurden hier begrüßt und enge gesellschaftliche Kontakte zu den Gutshöfen der Region gepflegt. An Feiertagen waren Honoratioren von Mikkeli und der Umgebung gern gesehene Gäste in der Pfarrei, in der oft Namens- und Geburtstage gefeiert und gesellige Abende, Nähkreise und Andachten veranstaltet wurden. Den ersten Mai beging man hier als Beginn des neuen Kirchenjahrs.

Im Sommer war der Garten der Pfarrei ein Schauplatz fröhlicher Gartenfeste, bei denen Speisen mit Erzeugnissen aus dem eigenen Nutzgarten aufgetragen wurden. Bei gutem Wetter servierte man gerne Kaffee und Mahlzeiten auf der Veranda mit Blick auf den Garten, größere Feiern dagegen fanden im Garten bei festlich gedeckter Tafel mit weißen Tischdecken statt.

Der rege gesellschaftliche Umgang in der Pfarrei fand jedoch 1969 sein Ende, als der damalige Gemeindepfarrer eine neue Amtswohnung in der Stadt bezog. Das Anwesen stand zuerst leer, später war es als Fabrikationsstätte für Lautsprecher in Betrieb.

Die Vernachlässigung der Pfarrei Kenkävero fiel in die Zeit der allgemeinen gesellschaftlichen Verachtung von Traditionen, in der Unverständnis für Pflege und Erhaltung alter Bausubstanz herrschte. Später lösten der allmählich eintretende Wandel und die Neubesinnung der Gesellschaft eine rege Debatte über die Sanierung des Hauptgebäudes aus.

Die neue Blütezeit der kulturhistorisch wertvollen Pfarrei mit wechselvoller Geschichte begann 1988, als die Stadt Mikkeli und die ländliche Kirchgemeinde Mikkeli übereinkamen, die Ländereien der Pfarrei auf die Stadt zu übertragen. Später beschloss die Stadt, das Hauptgebäude der Pfarrei nach einer Sanierung dem Handarbeits- und Kunstgewerbeverein von Mikkeli und der regionalen Abteilung der finnischen Frauenorganisation Martta zur Verfügung zu stellen.